10 Days in Silence - Vipassanaretreat

10 Tage Schweigen. 10 Tage dasselbe tun. 10 Tage 3 Mahlzeiten zur selben Zeit einnehmen. 10 Tage lang meditieren.

Könntest du dir das für dich vorstellen?

Ich konnte mir es anfangs nicht und doch, ich habe mich überwunden und es hat mein Leben verändert. Dieser Blogeintrag wird ein reiner Erfahrungsbericht aus meinem 10-tägigen Vipassanaretreat. Wo und bei wem ich dieses Retreat gemacht habe, Tagesabläufe, meine Ängste und Sorgen, was mich erwarten würde und natürlich meine Gefühle und inneren Regungen während der 10 Tage, will ich hier mit euch teilen. Ich habe dieses Retreat aus zwei Gründen gemacht, zum einen weil ich mich in Meditation und Persönlichkeitsentwicklung wiederfinde, zum anderen weil ich mich zu der Zeit sehr weit von mir entfernt gefühlt habe und wieder in mein inneres Zentrum zurückkehren wollte. Für diejenigen, welchen der Begriff Meditation nicht geläufig ist, hier eine kurze Beschreibung. Es gibt verschiedene Arten von Meditation, die meist verbreitete ist die Achtsamkeitsmeditation, bei der deine Aufgabe darin besteht, dich auf deinen Atem zu konzentrieren. Du kannst diese Methode im Liegen oder Sitzen praktizieren und hast dabei die Augen geschlossen. Du tust nichts weiter als dich auf deine Atmung zu konzentrieren und zu spüren wie sich deine Bauchdecke hebt und senkt.

 

WAS IST VIPASSANA?

 

Vipassana oder um es für viele verständlicher zu machen "Einsichtsmeditation" wurde in meinem Fall in einem Haus in der Natur praktiziert. Für 10 Tage stand uns das Haus, seine Räumlichkeiten und die schöne Natur drum herum voll zur verfügung. Du bekommst dein eigenes Zimmer und auch deinen eigenen kleinen Esstisch in einem Saal, da du dich auf dich selbst konzentrieren sollst und nicht sprechen darfst, womit wir zum nächsten Thema kommen. 10 Tage Schweigen obwohl 15 bis 20 Menschen um dich herum sind, die jedoch alle das selbe tun wie du. Ich muss zugeben, für mich war das Schweigen keine Sache die mir Angst oder Sorgen bereitet hat. Für mich, als eher introvertierter Mensch, hatte ich damit keine großen Probleme.

Warum darf man nicht Sprechen?

Eine simple Antwort: Diese 10 Tage sollen dir gehören, dir ganz allein. Vollkommen auf dich gestellt, wird quasi eine Pause von der hektischen Außenwelt genommen. Du fällst auf dich zurück und bist ganz für dich allein in Kommunikation mit deinem Inneren.

 

ABLAUF & ESSEN

 

Der Tagesablauf war für jede Minute durchgeplant. Frühes Aufstehen um 6:00Uhr oder wenn du noch zu müde warst um 7:00Uhr. In Stille gehst du in den Meditationssaal, setzt dich auf dein Meditationskissen und beginnst deinen Atem zu beobachten, 53 Minuten lang. Zwischendrin werden Yogaübungen praktiziert. Dann folgt eine 7-minütige Pause für Persönliche Bedürfnisse. So verläuft jeder weitere Tag. Zwischendrin gibt es drei Mahlzeiten und über den ganzen Tag hinweg stehen dir Tee, Kaffe, Obst und Nüsse zur Verfügung. Das Essen ist vegetarisch und basiert auf einer pflanzlichen und vollwertigen Ernährung, kurz und knapp gesagt, es war immer super lecker. Nach dem Mittagessen findet immer die Gehmeditation im Freien statt. Das war jedes mal sehr schön, als Abwechslung zu den Meditationen im Raum.

 

SEMINARLEITUNG

 

Das Seminar wird von zwei wunderbaren Menschen geleitet. Der Leiter ist ein Gelehrter des Zenmeisters Thich Nhat Hanh. Er begleitet dich das ganze Seminar über intensiv und sitzt in den Meditationsstunden mit dabei. Mich persönlich haben seine Erzählungen immer wieder fasziniert und man kann erkennen wie viel Wissen und Erfahrung dahinter steckt. Auch seine Frau ist eine liebevolle Begleiterin und immer für dich da, wenn du etwas brauchst.

 

DIE ERSTE WOCHE - DER GEDANKENFLUSS

 

Am ersten Abend gingen wir in die Stille und starteten so in die erste Woche des Vipassanas. Das Schweigen fiel mir leicht, von morgens bis abends saß oder lag ich im Meditationssaal und konzentrierte mich auf meinem Atem, ich war voller Interesse und Erwartungen. Ab dem dritten Tag begann mein Gedankenfluss immer mehr und mehr zu werden. Zwischen den Atemzügen schweifte ich ab in Gedanken an Menschen, Erinnerungen, Dinge. Dinge die total belanglos waren, wie "ich würde jetzt gerne ins Kino oder shoppen gehen oder laute Musik hören und dazu singen". Immer wieder holte ich mich zurück zu meinem Atem. Tag 4 und 5, die Gedanken strömten auf mich ein wie ein Radiosender, den du nicht leiser drehen kannst. Ich wusste nicht mehr wie ich liegen oder sitzen soll, öffnete immer wieder die Augen, um nach den anderen Menschen um mich herum oder dem Leiter zu sehen. Jedes kleine Räuspern oder Husten brachte mich aus der Fassung, nach Außen und entfernte mich weiter von meinem Atem. An Tag 6 und 7 war ich dann an dem Punkt angekommen, an dem mir mein Kopf vermittelte, dass er keine Lust mehr habe. Mein inneres Verlangen nach oberflächlichen Dingen, wie shoppen, feiern oder Filme schauen, drängte sich immer mehr in den Vordergrund. Bei den Gehmeditationen lief ich weder langsam noch konzentriert und schaute in der Gegend herum. Meine Begierde hatte meinen Geist eingenommen und vermittelte mir, dass es zu anstrengend sei, um sich mit meinem Inneren auseinanderzusetzen und dass physische Dinge viel interessanter wären. Ich schaute nach außen statt nach innen und hatte meinem Kopf und meinen Gefühlen die Macht überlassen.

DIE ZWEITE WOCHE - DAS ERWACHEN

 

Die zweite Woche brach an und ich hatte mich zwischen dem Wochenende der ersten und zweiten Woche irgendwo in Gedanken verloren. Unsere Aufgabe bestand nun nicht mehr nur im Spüren des Atems sondern jetzt auch im Spüren des ganzen Körpers. Was für einige komisch klingt, ist eigentlich ganz simpel. Versuche alles wahrzunehmen, schenke allen Prozessen deines Körpers Aufmerksamkeit. Der Schlag des Herzens, das Arbeiten der Organe, das Fließen von Blut. Wenn du zuvor deinem Körper nie zugehört hast, wird das eine einzige Faszination für dich sein. So war es bei mir. Plötzlich ließen die Gedanken nach. Es fühlte sich an wie ein Pfeil, der von meinem Kopf abwärts durch meinen Körper schoss und auf einmal war ich in mir. Wer an die Seele glaubt, so hatte ich in diesem Moment das Gefühl bei Ihr zu sein und Sie zu spüren, als würde sie in meinem Brustkorb sitzen. Ich konnte alles spüren, wirklich alles. Das Schlagen meines Herzens, zum ersten Mal fiel mir auf, wie laut und kräftig es ist. Ich hatte das Gefühl, spüren zu können wie die Herzklappen der Kammern sich öffnen und schließen. Meine Hände und Füße kribbelten, ich spürte warmes Blut durch meinen Körper fließen. Mit jedem Atemzug konnte ich wahrnehmen, wie aktiv mein Körper war und wie alles in mir arbeitete. Bei dieser Beobachtung kam mir der Gedanke auf, dass unser Körper, diese Hülle, die uns dank ihren Funktionen am Leben erhält, nicht wir sind. Das Ich, es sitzt woanders, das Ich ist nicht mein Körper, dass konnte ich in diesem Moment spüren. Wenn diese Vorstellung "Mein Körper bin nicht Ich, er ist nur eine Hülle", für jemanden beängstigend klingen mag, so war ich mit diesem Gedanken in diesem Moment glücklicher denn je. Obwohl ich meine Augen geschlossen hatte, strahlte es vor meinem inneren Auge, als würde ich von warmen Sonnenlicht durchflutet werden. Es mag komisch klingen, vielleicht verrückt oder als wäre ich auf Drogen, doch ich kann euch bestätigen, das war nicht der Fall, in diesem Moment war ich klarer denn je.

 

Von diesem Moment an war ich wie wild darauf in den Meditationssaal zu kommen und wieder in dieses Gefühl einzusteigen. Ich hatte mich nach Außen verloren und war durch die Atmung und das Spüren meines eigenen Körpers in mich zurückgekehrt. Ich meine, wer denkt denn schon im Alltag darüber nach, sich auf seinen Herzschlag oder die Atmung zu konzentrieren?

Ich hatte mich in mir wieder gefunden und war mehr als glücklich darüber. Ab diesem Wendepunkt fühlte ich mich stark, ich gab den Gedanken keine Macht mehr über mich, ich bestimmte ganz allein über meine Gefühlslagen und meinen Körper. Auch bei den Gehmeditationen konnte ich, trotz dass ich nach außen sah, in mir bleiben. Ich fühlte mich und fühlte eine Verbundenheit mit der Welt, der Natur, den Tieren und auch mit den Menschen um mich herum, obwohl wir nicht kommunizierten. Eine stetige Zufriedenheit kehrte in mich zurück. Ich fühlte mich frei und befreit von allen negativen Belastungen, die mir vor meiner Ankunft hier, die Luft abschnitten. Mein Atem ging leicht und unbeschwert, meine Gedanken waren zentriert. Noch nie zuvor war ich mir auf geistiger Ebene so nah.

 

ZURÜCK IN DIE KOMMUNIKATION

 

In den letzen Tagen begannen wir wieder mit dem Sprechen. Zugegeben, es tat gut, seine eigene und die anderen Stimmen zu hören. Wir waren 10 Tage immer zusammen und doch lernte man sich jetzt erst richtig kennen. Wir berichteten uns gegenseitig von unsere Erfahrungen aus der Zeit in der Stille und es war von Mensch zu Mensch interessanter. Menschen, die man eigentlich kaum kannte, empfand man plötzlich als wunderbar. Uns alle hatte etwas verbunden und das konnten wir spüren.

 

Abschließend kann ich nur sagen, das Vipassana hat nicht nur mein Leben sondern auch mich als Mensch verändert. In diesen 10 Tagen machst du einen persönlichen Entwicklungsschritt durch, den du nicht mehr vergessen wirst und der dich dein ganzes Leben lang begleitet. Das Gute an der ganzen Sache ist, dass du die gelernten Praktiken im Alltag anwenden kannst. Jederzeit kannst du dich zurück besinnen auf deinen Atem und das Spüren deines Körpers. Ob beim Zähneputzen oder beim Essen. Achtsamkeit ist in jeder täglichen Aktion möglich. Und es ist nicht mehr und nicht weniger, als diese einfache Aufgabe, um inneren Frieden und innere Freiheit zu erlangen und zu verfestigen.

 

Ich danke den zwei wunderbaren Leitern des Vipassanas für diese Lebensverändernde Erfahrung, die ich unter bester Begleitung machen durfte.

 

Ich danke euch fürs Lesen und hoffe, ich konnte euch einen Einblick in ein Vipassanaretreat geben. Falls ihr Fragen an mich habt, traut euch zu schreiben. Für mehr Infos und Interesse hinsichtlich des Retreats hier für euch der Link zur Seite der Seminarleitung:

Überzeugt euch selbst. 

Eure KLARA ROSE

Kommentar schreiben

Kommentare: 0